Chatsprache
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Chatsprache generell
Die Chatsprache gilt als die innovativste der neuen Kommunikationsformen. Sie beinhaltet eine Form, bei der zwei Internet-Nutzer bzw. größere Gruppen anhand getippter Beiträge miteinander kommunizieren können, und das nahezu in Echzeit. Die geografische Entfernung ist bei der Kommunikation kein Hindernis. Der Kommunikationsablauf ist nahezu synchron. Durch Turn-Taking wird geregelt, wann der Beitrag eines Chatteilnehmers als Turn eingebracht wird.
Chatsprache vs. Schriftsprache
Die geschriebene Chatsprache ist weniger mit der normalen Schriftsprache verbunden. Chat-Kommunikation vollzieht sich "im Medium der Schrift als einem klassischen Medium der Distanz, und zwar sowohl der (zeitlichen) Distanz zwischen Produktionssituation und Produkt und somit auch zwischen Produktion und Rezeption als auch der (räumlichen) Distanz zwischen Produzent und Rezipient(en)." (Beißwenger)
Chatsprache vs. Umgangssprache
Es gibt viele Parallelen zur Umgangssprache. Tipp- und Rechtschreibfehler (Groß-/Kleinschreibung), fehlende Satzzeichen usw. werden von den Usern toleriert. Das schnelle Eintippen der Kommunikationsbeiträge und das Verfolgen der Beiträge der anderen Chatuser steht im Vordergrund. Von den Usern können synchron Textbeiträge abgegeben werden. Nicht nur deshalb erinnert die Chatkommunkation auch an die Face-to-Face-Kommunikation. Da Chat-Kommunikation sowohl Merkmale der mündlichen als auch der schriftlichen Kommunikation beinhaltet, spricht Beißwenger von einem "konzeptionellen Hybrid", der eine „kommunikationstypologische Sonderstellung“ einnimmt. Laut Beißwenger leistet "Chat-Kommunikation zugleich auch eine Rückholung der Interaktivität in die Schriftkultur und somit letztlich eine Reintegration der Schriftlichkeit in eine Kommunikationskultur der Nähe." Damit meint er, dass sich durch die Chatkommunikation eine neue, innovative mündliche Kommunikationsform entwickelt hat, die bei vorherigen mündlichen Kommunikationsformen nicht gegeben war. Diese Hybridform ist bisher bei keiner anderen Kommunikationsform bekannt.
Technische Aspekte der Chatsprache
Die Chatkommunikation verlangt natürlich nach entsprechenden technischen Voraussetzungen (z.B. Internetzugang). Diese beschreibt Beisswenger mit dem Begriff des Trägermediums. Dieses Trägermedium ist zu verstehen als Komplex aus datenverarbeitenden Einheiten, Protokollen zur Übertragung und Vorgängen der Datenverarbeitung. Dementsprechend beinhaltet der Begriff des Trägermediums die technischen Voraussetzungen sowie den Austausch von Beiträgen zur Kommunikation. Auf die technischen Voraussetzungen soll in diesem Artikel jedoch nicht detaillierter eingegangen werden.
Kommunikationsstruktur
Im Unterschied zur Face-to-Face-Kommunikation muss bei der Chatkommunikation ein Beitrag erst vollständig produziert werden, bevor es zur Realisierung durch Weiterleitung an ein Steuerprogramm kommt. Lediglich die Produktion eines Beitrags unterliegt der Kontrolle und Verantwortung des Produzenten; azf den Zeitpunkt der Realisierung hat er aber keinen Einfluss. Allerdings kann der Verfasser eines Beitrags das Getippte mehrfach korrigieren oder ändern, bevor er es absendet. Diese Veränderungen bleiben dem Adressaten, anders als bei der Face-to-Face-Kommunikation aber verborgen. So kann sich der Verfasser etwa wechselnden Themen anpassen bzw. alte Themen wieder aufgreifen. Ein Vorteil ist, dass bei der Chatkommunikation in der Regel ältere Beiträge für einige Zeit bestehen bleiben; so besteht die Möglichkeit, die älteren "gesagten" Beiträge nachzulesen und ggf. Anknüpfungspunkte für Kommunikationsthemen zu finden.
Besonderheiten der Chatsprache
In den Chatrooms kann der Nutzer entscheiden, was und wieviel er von seiner Identität preis gibt. Die Wahl des Nicknames, also eines Benutzernamens im Chatangebot, wird oft bewusst getroffen, um sich eine Identität im Chat zuzulegen. Durch den Wegfall von auditiven und visuellen Merkmalen wird die Persönlichkeit eines Teilnehmers durch andere Faktoren kompensiert. So benutzen die Teilnehmer etwa verschiedenen Schriftfarben, um ihren Gemütszustand zu beschreiben. Emoticons, Acronomys und Ausdrücke in Asterisken sind weitere Möglichkeiten, um die Barrieren, die bei der Chatkommunikation - im Gegensatz zur Face-to-Face-Kommunikation - aufgestellt werden, zu umgehen. Auch die Einzigartigkeit der Zeichenfolge und das individuelle Benutzen von Wörtern geben dem jeweiligen Verfasser eine Art Visitenkarte. Veränderungen - etwa beim minimalen Ändern eines Nicknames - rufen bei den anderen Chatteilnehmern Irriationen und Misstrauen hervor. Die Teilnehmer sind besonders sensibilisiert, da ihnen für eine Identifikation eines anderen Teilnehmers lediglich die von ihm gemachten Informationen zur Verfügung stehen. Eine Veränderung fällt somit schnell auf. Lediglich durch den Inhalt des Geschriebenen können diese Missverständnisse ausgeräumt werden (vgl. Abb. 15 des Textes).
Literatur

