Interview zum Geotagging

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Interview mit Stefan Kühn zum Thema Geotagging

Net-Wiki: Ist Geotagging nur etwas für Geografen bzw. Kartografen?

Stefan Kühn: Nein, eigentlich jeder, der weiß wie er eine geographische Koordinate ermitteln kann, der kann auch Getagging betreiben. Praktischerweise, gibt es auch schon Tools, wo dass z.B. in der Wikipedia automatisiert ist, und man nur noch ein Kreuz in die Landschaft setzt und dann mit Copy und Paste das in den Artikel überträgt.

Net-Wiki: Welche Vorteile hat der "normale" Web-Nutzer durch Geotagging?

Stefan Kühn: Ist ein Artikel in der Wikipedia eingefügt, um bei dem Beispiel zu bleiben, dann kann er damit alle Webservices nutzen, die dafür auf einer Spezialseite bereitgestellt werden. (Karten abrufen, Routenplanung). Den meisten reicht das.

Net-Wiki: Wie viele Links entstehen täglich beim WikiProjekt Georeferenzierung?

Stefan Kühn: Schwer zu sagen, dass hängt von der Arbeitslust der Teilnehmer ab. Derzeit sind knapp 50 Leute als Unterstützer auf der Projektseite eingetragen, aber es gibt eine große Zahl von anonymen Unterstützern.

http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:WikiProjekt_Georeferenzierung/Wikip ed ia-World

Wikiworld ist eine Zusammenfassung der Geotags aus unterschiedlichen Sprachen.

Dort sind aktuell (Siehe Link (Source:info.php))

  • en 93883
  • de 58832
  • Summe aller Sprachen 354181

Zieht man die doppelten Artikel ab, die in mehreren Sprachen eine Koordinate haben bleiben immerhin 141338 Koordinaten.

Die Vorlage für die Koordinaten wurden am 17. Februar 2005 in EN eingebaut und ich habe am 9. März 2005 das für die Deutsche Wikipedia umgesetzt. Am 3. Juli 2005 waren es schon 2600 Koordinaten. Ein Jahr später am 4. Juni 2006 34000 Koordinaten. Heute 1.2.2007 sind es 58832 Koodinaten.

Wenn ich den letzten Abschnitt nehme, dann komme ich auf 24832 Koordinaten in 242 Tagen. Also 102 pro Tag. (Wow, das ist eine nette Anzahl!)

Net-Wiki:Inzwischen gibt es GPS-fähige Handys und Digitalkameras. Entsteht dadurch so etwas wie "Geotagging für Jedermann"? Ist mit einem Hype zu rechnen?

Stefan Kühn: Da man sagt, das 80% der Daten verortbar sind, denke ich wird derzeit das Geotagging noch zu wenig beachtet. Mit Google Earth hat sich dort ein Markt entwickelt, der für jeden erreichbar ist, und er wird immer größer. Hype, ist vielleicht zuviel gesagt, aber anständiger Wachstum ist dort denkbar.


Net-Wiki: Jemand fotografiert meinen privaten Strandkorb auf Norderney und stellt das Bild mit den dazugehörigen GPS-Daten in die Wikipedia ein. Dienste wie Plazes ermöglichen es sogar, sich selbst zu georeferenzieren. Geht mit Geotagging nicht ein weiteres Stück Privatspähre verloren? Und wer hat eigentlich die Rechte an Geodaten?

Stefan Kühn: Es kommt eher zu einer Liberalisierung, würde ich mal sagen. Ich denke speziell an den Fall von http://de.wikipedia.org/wiki/Dschochar_Mussajewitsch_Dudajew , der durch ein Satellitentelefon verortet wurde und dann getötet wurde. Sieh auch http://www.heise.de/tp/r4/artikel/13/13546/1.html

Ein Terroristenexperte sagte nach den Londoner Sprengstoff-Anschlägen auf Busse: das Google Earth keine Gefahr für den Terrorismus ist. Jeder der heute an Sprengstoff rankommt, kann sich auch die entsprechenden Zielkoordinaten holen.

Im privaten Bereich sehe ich nicht das Problem. In LA gibt es Stadtpläne mit den Villen der Reichen und Berühmten. Klar, wenn man keine Person des öffentlichen Rechts ist, dann kann man einiges verbieten lassen, aber ansonsten wird sich das nicht aufhalten lassen. So wie derzeit einige Zeitungen für Schnappschüsse von Promis (z.B. Bild) Geld bezahlen, wird es vielleicht, bald so was für Geodaten geben.

Net-Wiki: Haben Sie schon Geocaching ausprobiert? Handelt es sich dabei um ein Spiel für Nerds, oder wird die digitale Schnitzeljagd eines Tages zum Volkssport?

Stefan Kühn: Ausprobiert noch nicht, aber das liegt vor allem an dem nicht vorhandenen privaten GPS-Gerät. Wenn das in jedem Handy drin wäre, dann vielleicht mal. Ich denke derzeit geht das nur, weil nicht zu viele mitmachen. In Zukunft werden aber neue Spiele dazukommen, es gab glaube ich mal ein lebendes "Scotland Yard"-Spiel und "PacMan" auf GPS basis.


Net-Wiki: Wer seine Etagenwohnung in Plazes eintragen möchte, scheitert oft am Nachbarn, der schon schneller war: Geotags sind meistens nur zweidimensional. Warum, und liegt die Zukunft in 3D?

Stefan Kühn: Ich hab plazes noch nicht benutzt, werde es mir aber gleich mal anschauen. Generell ist 2D einfacher als 3D. Zumal das für wahrscheinlich viele Dinge ausreicht. Bei der Höhenangabe ist immer noch die Frage, welche höhe nehme ich da jetzt? NN, Höhe über Boden, Stockwerkzahl, oder über dem Geoid?

Das in 3D die Zukunft liegt zeigt "Simple-Life" und "World of Warcraft". Als 2D wären die nicht so erfolgreich (glaube ich). Microsofts Virtuelle Erde und Google Earth haben ja auch schon erste Ansätze.

Wahrscheinlich wird man in Zukunft z.B. im Virtuellen Trier ein Ballerspiel mit seinen Freunden spielen können, was ja dann noch interessanter ist, da man ja gewissen Heimvorteil hat. ;-)

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