Politische Kommunikation

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Inhaltsverzeichnis

Definition

Weitgefasste Begriffsdefinition nach Brian McNair: Unter politischer Kommunikation sind (1)alle Formen der Kommunikation von politischen Akteuren zur Erreichunge spezifischer Ziele; (2)Kommunikation, die sich an politische Akteure wendet; (2)Kommunkation über Politik und politische Akteure zu verstehen.

Bedeutung

Durch seine spezifischen Kommunkationsmöglichkeiten gewinnt das Web 2.0 in der politischen Kommunikation zunehmend an Bedeutung. Neueste Beispiel hierfür ist der wöchentliche Vodcast von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Doch nicht nur die Kanzlerin weiß die Features des Web 2.0 für die Politik zu nutzen. Immer häufiger suchen Abgeordnete und Politiker den direkten Kontakt zum Bürger oder zumindest zu jenem Web 2.0 affinen Wähler. Ein beliebtes Mittel für den Dialog zwischen Politiker und Bürger stellt dabei vor allem der Weblog dar. Gehören deren Einsatz in den USA bereits seit den Präsidentschaftswahlen 2004 zum politischen Alltag, wurden Weblogs als Wahlkampf-Instrument in der deutschen Politik erstmals bei der Bundestagswahl 2005 verstärkten eingesetzt. So bloggten Ursula von der Leyen, Andrea Nahles und viele mehr um die Gunst der Wähler respektive der Wählerstimmen. Auch bei Bürgermeisterwahlen erfreuen sich die „Onlinetagebücher“ zunehmender Bedeutung, wie nicht zuletzt die Kandidatenweblogs während der Oberbürgermeisterwahl in Trier zeigten. Weblogs sind aber bei weitem nicht die einzige Plattformen der politischen Kommunikation im Web 2.0. Die partizipative Politik findet auch in Onlineportale wie Demokratie24 statt, womit das politischen Engagements der Bürger selbst ebenfalls eine neue Qualität gewinnt. Die politische Kommunikation ist also definitiv im Web 2.0 angekommen. Über die Bedeutung, die Auswirkung dieses Faktums wird derzeit ein wissenschaftlicher Diskurs geführt. In dessen Mittelpunkt steht das Konzept der digitalen Demokratie (E-Demogracy), welches sich an der deliberativen Demokratietheorie nach Jürgen Habermas orientiert. Ziel dieser Konzeption ist es, einen stetigen Austausch zwischen Repräsentanten und Repräsentierten zu schaffen. Soweit also die Theorie. Die gegenwärtige Praxis sieht jedoch etwas anders aus. Sicherlich gibt es durch „Wahlweblogs“ einen Dialog zwischen Politikern und Wählern, jedoch tritt dabei nur eine Minderheit der Repräsentierten mit den Repräsentanten in Kontakt. So zeigte eine Umfrage der Universität Bamberg im Vorfeld der Bundestagswahl 2005, dass es vor allem internetaffine, politisch interessierte Wähler (meist verfügen diese noch über die Hochschulreife oder ein abgeschlossenes Studium) sind, die politische Internetangebote nutzen. Auch ein Blick in den Nonliner-Atlas 2006 weißt auf eine nur geringfügige Repräsentanz der deutschen Wählerinnen und Wähler im politischen World Wide Web hin, sind doch noch immer rund 36 Prozent der Deutschen nicht zu den "Onlinern" zu zählen.

Studien

Wahlkampf in der Blogosphäre – Weblogs im Vorfeld der Bundestagswahl 2005, Dipl.-Pol. Roland Abold [1]

ParteiPolitik 2.0 - Der Einfluss des Internet auf parteiinterne Kommunikations- und Organisationsprozesse [2]

Vom Internet zum Web 2.0. – Technik, Wissen und politische Kommunikation 2005 [3]

Politische Öffentlichkeit und Kommunikation im Internet, Hans-Georg Welz [4]

Weblogs als Mittel der Kommunikation zwischen Politik und Bürgern – Neue Chancen für E-Demokratie?, Christopher Coenen [5]

Der Kandidat ist Online! - Politische Kommunikation im Web 2.0, Roland Gramling [6]

Politische Kommunikation im Web 2.0 – Eine Untersuchung der Internetpräsenzen aller Abgeordneten aus Bund und Ländern, Prof. Dr. Roland Schröder, Kristin Borlinghaus, Marie Ting, 2009 [7]

Dienste

idemokratie.de Das Projekt fördert nach eigener Aussage "die politische Kommunikation zwischen Bürgern und Politikern und entwickeln kreative Konzepte für mehr Transparenz und Bürgerbeteiligung in der Politik." Zu diesem Zweck stellt das Team um Initiator Christian Hochhuth verschiedene Kampagnen-websites zur Verfügung, auf denen die User zu vielfältigen Themen des politischen Tagesgeschäfts aktiv werden können. Beispiele hierfür: demokratie24.de, schoener-leben-ohne-nazis.de oder 1-euro-fuer-berlin.de.


wahl.de Die Initiative des weblog-Providers blog.de bietet Politikern eine Plattform, ihre Botschaften an die Öffentlichkeit zu bringen. Die Registrierung zum Anlegen eines weblogs steht nur Politikern offen. Jedoch können alle User die entsprechenden Artikel der Politiker kommentieren und so in einen Dialog treten.


www.dol2day.com Demokratie online Today ging 2000 an den Start und ist eine Politiksimulation. Ziel ist es Politikinteressierten im Internet ein Plattform zu bieten, auf der sie über unterschiedlichsten Themen diskutieren, Umfragen stellen, oder Parteiarbeit leisten können. Alle vier Monate wird bei dol2day eine Internet-Wahl durchgeführt, bei der die virtuellen Parteien gegeneinander antreten und einen Internet-Kanzler wählen.

Eigenaussage zur Philosophie: "Politik ist für uns mehr als nur Arbeitslosigkeits-problem oder wie man zur Kernenergie steht. Politik wird von Menschen gemacht und da zählt beim Wähler nicht zuletzt auch die Sympathie für den jeweiligen Kandidaten. Deshalb werden bei uns alle Facetten des Lebens abgedeckt. Von Gesellschaft über Sport bis hin zur Wirtschaft. In der Community zählt Deine Meinung zu ALLEN Themen. Wenn Du Dich aktiv beteilgst kannst Du sehr schnell bekannt werden und Deine Ansichten vor einem breiten Publikum verkünden."


www.mein-eu-blog.de Anlässlich der deutschen EU-Ratspräsidentschaft startete das Auswärtige Amt am 30. Januar 2007 die Website mein-eu-blog.de. Dort sollen sich Jugendliche aus aller Welt zum Thema Europa äußern und miteinander diskutieren. Darüber hinaus wird die Website auch verstärkt Aktionen an Schulen sowie Veranstaltungen des Europäischen Jugendparlaments begeleiten. Auch Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes selbst beteiligen sich mit eigenen Beiträgen an diversen Diskussion und sollen den Usern damit Einblicke in das Tagesgeschäft der Europapolitik gewähren.

www.politio.de Weblog von Roland Gramling zu den Themen politische Kommunikation, Web-Kultur und Multimediademoraktie.

Ansprechpartner

Dipl.-Pol. Roland Abold [8]

Christoph Bieber [9]

Dr. Mercedes Bunz [10]

Christopher Coenen [11]

Roland Gramling [12]

Claus Leggewie [13]

Jan Schmidt [14]

Experteninterviews

"Das Nischendasein ist vorbei"

Dr. Christoph Bieber ist wissenschaftlicher Assistent an der JLU Gießen und beschäftigt sich mit den Auswirkungen der Neuen Medien auf politische und gesellschaftliche Prozesse. Zu seinen Veröffentlichungen zählen unter anderem Publikationen zum Thema Online-Wahlkampf, die Zukunft der Mediendemokratie und Interaktivität. Weiterhin ist er Gründungsmitglied von politik-digital.de/politik-digital e.V, einem journalistischen Angebot, das sich mit den Themen Politik und Neue Medien auseinandersetzt. net-wiki hat Dr. Christoph Bieber per Telefoninterview zum Thema befragt.

Im Bereich der Netzmedien stellt Bieber eine "Kommunikative Öffnung" fest, die den Nutzer an politischer Kommunikation teilhaben lässt. Dieses Phänomen ist für die Netzkommunikation bestimmend. Lässt man sich auf das Internet ein, sind Veränderungen auf der kommunikativen Ebene unvermeidbar. Politische Akteure erleiden einen Kontrollverlust, der durch eine größere Reichweite, Verbesserung der input-Seite und Rekrutierung neuer Mitstreiter aufgewogen werde. Politische Simulationen sieht er am Ende ihrer großen Zeit, reale digitalpolitische Betätigungsfelder rücken ins Zentrum der Bedeutung. Die Verbindung von Audio und Video-Inhalten mit politischen Botschaften via Internet und das Ausspielen der Inhalte über das PC-Umfeld hinaus in andere Geräteumgebungen seien die Zukunft der politischen Kommunikation.

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